Das folgende Interview erschien in der “Lesedrehscheibe”, Ausgabe 9/2009 Nr. 25. Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlags Papierfresserchen, Martina Meier
Mit Musik geht alles besser
Unser aktuelles Interview mit dem Autor Mike Wilbury
Kinder lernen heute schon in der Grundschule, teilweise sogar schon im Kindergarten eine Fremdsprache, meistens Englisch. Spielerisch werden sie an die fremd klingenden Wörter herangeführt. Noch leichter, so sagt Autor Mike Wilbury, lernen Kinder eine Fremdsprache, wenn Musik mit im Spiel ist. Darauf basiert sein Projekt „Englisch jetzt!“. Die Lese-Drehscheibe sprach mit dem Autor, der in Kerken beheimatet ist.
LD: Welche Intention steckt hinter dem Projekt „Englisch jetzt!“?
MW: Beim Erlernen einer Fremdsprache gibt es keine bessere Hilfe als Musik. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass Kinder umso leichter lernen, je früher sie damit beginnen. Als meine eigenen Töchter im Krabbelalter waren, suchte ich nach geeigneten Kinder-CDs, um ihnen mit Hilfe von Musik die englische Sprache näher zu bringen. Ich fand zwar eine große Auswahl doch kurzum: Ich war entsetzt. Fast alle Produkte waren mit lieblos produzierter Plastikmusik unterlegt. Ich kaufte das, was noch am wenigsten schlimm klang, doch meine Töchter zeigten keinerlei Interesse. Da ich zu dem Zeitpunkt in einer deutschenglischen Band spielte und oft in England unterwegs war, beschloss ich, eine eigene Englisch-CD für Kinder zu machen.
Ich bat meine britischen Kollegen, im Studio einige Texte für mich zu sprechen undeinige Songs zu singen, was sie gerne taten. Das Ergebnis war der erste Teil des „Toy Soldier In Love“, ein Musical mit handgemachter Musik, einer witzigen deutsch-englischen Geschichte und natürlich mit englischen Muttersprachlern als Sprechern.
LD: An wen richten sich Ihre Medien?
MW: Das Musical richtet sich an Kinder im Grundschulalter. Je nach Vorkenntnissen plus/minus ein oder zwei Jahre nach oben oder unten. Im Gegensatz zu vielen Kindermedien, die ganz bewusst auf Mädchen zielen, ist unser Musical so angelegt, dass auch Jungs Freude daran haben. Die Figur des frechen und leicht überheblichen Spielzeugsoldaten, der stets meint, alles unter Kontrolle zu haben und dabei von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpert, kommt bei Jungs und Mädchen gleichermassen gut an.
LD: Wie arbeitet man am besten mit Handbuch und/oder CD?
MW: Das richtet sich natürlich ganz nach dem einzelnen Kind. Ich persönlich würde erst einmal mit der ersten CD anfangen und schauen, wie das Kind reagiert. Da die Geschichte in Form deutsch-englischer Dialoge erzählt wird, kann ein Kind mühelos folgen. Das Hören steht also ganz klar im Vordergrund. Wenn das Abenteuer und die Musik gefallen, kann man ja später noch das Begleitbuch dazu kaufen.
Im Buch gibt es neben allen Dialogen und Songtexten auch noch eine einführende Geschichte auf deutsch und einen erklärenden Teil zu einigen Begriffen und Redewendungen. Ich halte es aber für wichtig, dass weiterhin der Spaß im Vordergund steht. Auf keinen Fall sollte man das Begleitbuch als klassisches Lehrbuch missverstehen.
LD: Sie sagen „Mit Musik lernt man besser“? Warum ist das so?
MW: Diese Erfahrung habe ich als Teenager selber gemacht. In der 5. und 6. Klasse war Englisch eine Qual für mich, sowohl die Vokabeln als auch, und vor allem, die Aussprache der fremden Laute. Dann habe ich die Beatles für mich entdeckt, zunächst nur eine einzige Platte, die ich immer und immer wieder gehört habe. Schon diese eine Platte genügte, um alle Probleme wegzuspülen. Die korrekte Aussprache lernte ich beim Mitsingen und da ich die Lieder liebte, wollte ich natürlich auch die Texte verstehen. Auf diese Weise habe ich aus eigenem Antrieb, zwanglos und ohne jede Anstrengung so viele Schlüsselwörter gelernt, dass ich nie wieder Probleme hatte, einen englischen Text oder ein englisches Gespräch zu verstehen. Inzwischen ist es aber auch wissenschaftlich nachgewiesen, dass abstrakte Begriffe (Vokabeln) leichter im Gedächtnis bleiben, wenn sie im Gehirn mit einer weiteren Erfahrung verknüpft werden – wie etwa Musik.
LD: Es gibt das Musical „A toy soldier in love“, das wir in der LD bereits vorgestellt haben. Sind weitere Produktionen dieser Art geplant?
MW: Vom Musical sind inzwischen zwei CDs erhältlich, die in sich eine abgeschlossene und runde Geschichte bilden. Wenn ich die Zeit dazu finde, würde es mich sehr reizen, die Geschichte noch weiter zu erzählen. Zur Zeit sind wir allerdings voll beschäftigt mit unserem aktuellen Projekt, das zugleich unser bisher ehrgeizigstes ist: Mein britischer Kollege Ian Watts hat insgesamt 33 Musiker in sein Studio eingeladen und wir haben über einen Zeitraum von acht Monaten 70 der bekanntesten und schönsten englischen Kinderlieder aus vier Jahrhunderten neu aufgenommen. Die Songs sind neu arrangiert in den typischen Popmusik-Stilen der 60er, 70er und 80er Jahre. Das Doppelalbum „Kinder erleben Englisch – The Nursery Rhyme Collection“ ist am 25. August erschienen und richtet sich an Kinder und Erwachsene jeder Altersgruppe. Also einfach nur -an jeden. Auf der Seite www.englisch-jetzt.de gibt es 55 kostenlose Hörproben.
MW: Die Musical-CDs und das Begleitbuch kann man über den klassischen Buchhandel beziehen oder über Amazon. Außerdem steht es auf allen gängigen Online-Portalen zum Download bereit. Das neue Kinderlieder Doppelabum gibt es zunächst nur über Amazon.
LD: Vielen Dank für das Gespräch.
Das Musical kostenlos anhören und direkt am Bildschirm mitlesen
